
Liest du lieber für dich oder teilst du deine Eindrücke während des Lesens gerne mit anderen? Hast du schonmal an einer Leserunde teilgenommen? In welchem Rahmen? Hat’s Spaß gemacht? Was hältst du von Leserunden?
Für mich sind Leserunden nichts und ich möchte auch an keinen mehr teilnehmen. Ich lese für mich allein, möchte nicht bei bestimmten Abschnitten unterbrechen oder etwas in vorgegebener Zeit schaffen müssen. So macht mir das Lesen nur wenig Spaß. Während meiner Zeit als Moderatorin bei LovelyBooks habe ich gemerkt, dass mir das Organisieren solcher Veranstaltung Freude macht, aber das Teilnehmen nicht. Vielen geht es nämlich nur darum, ein kostenloses Buch zu ergattern, da geht es überhaupt nicht um den Autausch. Sie machen dann nämlich doch nicht mit, wenn sie nicht gewinnen. Es gibt auch viele, die nichts schreiben, obwohl sie gewonnen haben. Aber wer macht dann eigentlich mit?
Interessant war es nur dann, wenn ein Autor viele Hintergrundinformationen geliefert hat und das richtige Gespür dafür hatte, wie er mit den Lesern umgeht. Ein großartiges Beispiel dafür ist Kim Winter, die ihre Teilnehmer über mehrere Monate gut unterhalten hat, indem sie auf jeden ausführlich eingegangen ist und sich aufrichtig für die Meinung ihrer Leser interessiert hat. Kim hat keine Gelegenheit ausgelassen nachzufragen, zu erklären oder Inspirationen für ihre Bücher zu sammeln. Sie hatte viel Freude an den beiden Leserunden zu ihren Büchern und das hat man gemerkt. So sind nicht nur viele spannende Diskussion zu ihrer Trilogie entstanden, sondern auch die eine oder andere Fanaktion.
In der Regel ist es aber so, dass man recht lange auf einen Termin wartet, ihn dann verpasst, weil man ein anderes Buch noch beenden wollte und letztendlich hinterher hinkt. Oder man ist pünktlich und dann viel schneller als alle anderen. Oft wird dann nur der Inhalt einzelner Abschnitten immer und immer wiederholt. Das finde ich wirklich langweilig – immerhin habe ich das ja selbst gelesen und bin zum Diskutieren da. Zehn verschiedene Inhaltsangaben interessieren mich dann wirklich nicht. Ein spannender Austausch hat nur selten stattgefunden, alle schreiben nur ihre Pflichtpostings und sind dann wieder weg. Was soll man selbst dann noch schreiben? Offensichtlich hat ja doch keiner Lust dazu. Für mich war es oft auch anstrengend mich an den Rhythmus der anderen anzupassen. Dadurch habe ich mehr als einmal die Lust an einem Buch verloren und es abgebrochen. Und damit war das Thema Leserunde auch gegessen.
Nachdem ich ein Buch gelesen habe, diskutiere ich gerne darüber, schreibe Rezensionen, frage andere nach ihrer Meinung und tausche mich aus. Aber nicht währenddessen. Lesen ist für mich eine stille Tätigkeit. Zeit, die ich nur mit mir und meinen Gedanken verbringe. Wenn ich lese, finde ich endlich zur Ruhe, kann alle anderen mal vergessen und mich in der Geschichte fallen lassen. Ganz alleine. Da möchte ich auf keinen Rücksicht nehmen und auch wenn es egoistisch klingt: Es ist etwas, das ich mit niemanden teilen möchte, es ist persönlich und daher sind Leserunden für mich nicht das Richtige. Veranstaltungen wie das »Read Together«, bei denen man locker und ungezwungen das Lesen als solches zelebriert, mit anderen Lesern zusammen kommt und einfach nur Spaß hat, könnte es aber meiner Meinung nach viel häufiger geben.