Gute Geister

18.06.2011 // No Comments  //  Rezensionen

Kathryn Stockett – Gute Geister • 608 Seiten • btb • 344275240X • 21,99 €
Jackson, Mississippi, 1962: Die junge Skeeter ist frustriert. Nach dem Studium verbringt sie die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am Finger. Sehr zum Missfallen der Mutter. Doch der Mann, mit dem ihre Freundinnen sie verkuppeln wollen, ist ein hochnäsiger Snob. Und dann ist auch noch ihr schwarzes Kindermädchen, bei dem sie stets Trost fand, spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Und um diesem Ziel näher zu kommen, verbündet sie sich mit zwei Dienstmädchen, die ebenso unzufrieden sind wie sie: Aibileen zieht inzwischen das siebzehnte weiße Kind auf. Doch nach dem Unfalltod ihres einzigen Sohnes ist etwas in ihr zerbrochen. Und Minny ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Und gemeinsam beschließen die drei außergewöhnlichen Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern.

In Kathyrn Stocketts “Gute Geister” geht es um farbige Dienstmädchen, 1962 in Jackson, Mississippi. Aus der Sicht drei sehr verschiedener Frauen liest man von Rassismus, Angst und Mut: Zum einem ist da das 52 jährige, dunkelhäutige Hausmädchen Aibileen, das ein kleines Mädchen, das sie für ihre Mutter hält, betreut und für wenig Lohn den Haushalt einer sehr reichen Frau schmeißt. Sie ist äußerst erfahren und definitv der ruhige Pol in der Geschichte. Sie ist mir während des Lesens auch besonders ans Herz gewachsen.

Dann ist da noch Minny, die zwar für ihre fabelhafte Kochkünste, aber auch für ihr loses Mundwerk bekannt ist und aufgrund dessen einen Job nach dem anderen verliert. Bald ist es gar nicht mehr so leicht jemanden zu finden, der sie einstellen möchte. Dafür kursieren mittlerweile zu viele Wahrheiten, aber auch Lügen, über sie in Jackson.

Die Schlüsselperson ist Skeeter, die im Gegensatz zu ihren weißen Freundinnen nicht nur an ihr Aussehen denkt, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen will. Ihr großer Traum ist es, eines Tages als Journalistin zu arbeiten. Auf dem Weg dahin nimmt sie einen Job in der lokalen Zeitung an und schreibt dort eine Kolumne – ausgerechnet über Haushaltstipps. Schnell erkennt sie, dass sie jetzt die Hilfe der Haushaltshilfen braucht. Bald darauf kommt ihr die gefährliche Idee, ein wahres Buch über farbige Dienstmädchen in Jackson zu schreiben.

Doch schnell stellt sich heraus, dass es gar nicht so leicht ist, jemanden zu finden, der mit ihr über seine Erfahrungen als Dienstmädchen sprechen möchte. Die Frauen haben Angst. Erst vor kurzem wurde ein Farbiger so heftig verprügelt, dass er sein Augenlicht verloren hat. Und das nur, weil er eine Toilette für Weiße benutzt hat, die nicht als solche beschildert war. Was wird dann erst geschehen, wenn man seinen Arbeitgeber derart bloß stellt?

Wie stark die Rechte von Schwarzen damals mit Füßen getreten wurden, war mir überhaupt nicht bewusst. Ich wußte auch nicht, dass es ein fünfundvierzig Seiten starkes Rassentrennungsgesetz gab. Einige Stellen im Buch haben mich zum Schlucken gebracht und ich wage es gar nicht, mir vorzustellen, wie sich Farbige damals – und auch heute noch – fühlen.

» Neger und Weiße dürfen keine gemeinsamen Trinkbrunnen, öffentlichen Toiletten, Telefonzellen, Sportplätze benutzen, nicht dasselbe Kino oder dieselbe Zirkusveranstaltung besuchen. Neger dürfen nicht in dieselbe Apotheke gehen oder ihre Briefmarken am selben Postschalter kaufen wie ich. Imbisstheken, Volksfeste, Billardtische, Krankenhäuser.
Wir alle kennen diese Gesetze, wir leben ja hier, aber wir reden nie darüber. «
Für ihren Debütroman hat sich die Autorin also wahrlich kein leichtes, aber total spannendes Thema ausgesucht. Sie hat mich mit ihren Worten sehr berührt und vor allem auch zum Nachdenken angeregt. Vergessen werde ich dieses Buch sicherlich nicht mehr.

Kathryn Stockett schreibt so lebendig, dass es mir ein leichtes war, die Vielzahl von Personen auseinander zu halten. Jede hat mindestens ein besonderes Merkmal, sodass ich die Figuren vor meinem geistigen Auge sehen und mir sogar ihre Stimmen vorstellen konnte. Die Personen sind alle sehr logisch durchdacht und wirkten auf mich absolut authentisch. Wüßte ich es nicht besser, würde ich glatt glauben, das “Gute Geister” tatsächlich so entstanden ist, wie es im Buch beschrieben wird. Daher bin ich auch schon auf die Verfilmung gespannt. Das Drehbuch wurde von einem Freund der Autorin geschrieben, produziert wird der Film von Chris Columbus.

Dieser Roman hat wirklich alles, was ein gutes Buch braucht: Sehr mutige Frauen, ein heikles Thema, das durchaus einen wahren Kern hat, viel Spannung und trotz allem einen unterhaltsamen Schreibstil. Doch das Wichtigste ist, dass ich viel gelernt habe. Mir war nie bewusst, wie schlimm die Farbigen damals wirklich behandelt wurden. Das war nicht nur erschreckend, sondern hat mir auch dabei geholfen, das Verhalten einiger Farbiger von heute zu verstehen.

Schon lange habe ich keinen Roman gelesen, der mir so sehr die Augen öffnen konnte und empfehle ihn jedem, der sich für das Thema interessiert. In Deutschland scheint das Buch noch nicht so bekannt zu sein, doch in den USA steht es seit mehr als 100 Wochen in den Bestsellerlisten der New York Times und das nicht ohne guten Grund!

Anbei noch ein kleiner Tipp: Wer sich entschlossen hat, das Buch zu lesen und Mitglied im Club ist, sollte unbedingt dort zuschlagen. Dort ist das Buch nicht nur ein paar Euro billiger, es hat auch ein viel schöneres Cover. Vom Orginal bin ich ehrlich gesagt total enttäuscht: Es ist langweilig, hat keinen Bezug auf die Geschichte und verkauft das Buch absolut unter Wert.

6 Kommentare zum Artikel “Gute Geister

    • Die habe ich auch schon gelesen :-) Mir fiel es ganz schwer, die richtigen Worte zu finden. Richtig zufrieden bin ich immer noch nicht, aber das Buch sollte nicht einfach untergehen.

    • Tut mir Leid, wenn ich das so sage, aber wer den IE benutzt, der ist auch irgendwie seltsam. Da nehme ich keine Rücksicht drauf. Ändert sich aber auch am 01.07., wenn der Blog mit neuem Design relauncht.

  1. Ich habe “Gute Geister” auch vor ein paar Monaten gelesen, allerdings noch keine Rezi geschrieben, weil ich meine Meinung zu diesem Buch so schlecht in Worte fassen ließen. Übrigens, Gute Geister wurde bereits verfilmt und kommt im Herbst in die Kinos.

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