Jul 2012
Nur 6 Tage
Überirdische Kräfte, unglaubliche Weisheit und die Macht, die Welt zu retten – das erhoffen sich russische Soldaten von dem Artefakt, das sie seit Generationen von tausenden Räumern im zerstörten London suchen lassen. Auch Cass, Tochter einer Räumerfamilie, sucht seit Jahren nach dem wertvollen Gegenstand. Doch niemand weiß, wo sie das Artefakt finden kann, wie es aussieht und ob es überhaupt existiert – bis Cass und ihr jüngerer Bruder Wilbur auf zwei Jugendliche treffen, die sie noch nie gesehen haben. Peyto und Erin behaupten, dass schreckliche Kriege ausbrechen werden, falls sie das Artefakt nicht innerhalb von sechs Tagen finden sollten.
Als ich mit dem Lesen begonnen habe, wirkte der umgangssprachliche Stil, in dem das Buch verfasst ist, noch sehr befremdlich auf mich. Ich hatte nicht mit einem solch rüden, aufmüpfigen Ton gerechnet und stand der gesamten Geschichte plötzlich sehr skeptisch gegenüber – allerdings völlig zu Unrecht, denn ich hatte mich schon nach wenigen Seiten an den jugendlichen Jargon gewöhnt. Da »Nur 6 Tage« aus der Perspektive der fünfzehnjährigen Cass erzählt wird, passt der Sprachgebrauch tatsächlich auch sehr gut zur Handlung und fiel mir daher auch im weiteren Verlauf nicht negativ auf. Dennoch habe ich mich über das respektlose Benehmen von Cass oftmals geärgert.
Besonders ans Herz gewachsen ist mir Wilbur, der kleine Bruder von Cass. Er ist ein erstaunlich cleveres Kerlchen, sehr ruhig und schüchtern. Beim Räumen stellt er sich allerdings ziemlich ungeschickt an und außerdem ist er sowieso überzeugt davon, das Artefakt mithilfe von Hinweisen aus seinen Comic-Heften finden zu können. Aufgrund dieser Rumspinnereien ist er seiner großen Schwester allerdings oft ein Dorn im Auge und bekommt das von ihr auch zu spüren. Manchmal kann er einem ganz schön leidtun.
In der zweiten Hälfte arbeitet Philip Webb vermehrt mit Sciene-Fiction-Elementen und beweist dabei einen erstaunlichen Ideenreichtum, mit dem er bei mir allerdings nicht punkten konnte. Er erzählt von einem Mädchen, das von einem Metallkäfig umschlossen wird, um existieren zu können, von lebenden Raumschiffen und Maschinenmenschen, den sogenannten Ochotniks. Meinen Geschmack hat der Autor damit nicht getroffen, denn mir persönlich war das zu viel des Guten. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass ein vierzehnjähriger Junge eine Menge Spaß mit dem Buch hätte.
Vor der Kulisse des zerstörten London in der Zukunft hat Philip Webb in seinem Debüt eine unvorhersehbare Suche gegen die Zeit geschildert, die abenteuerlicher nicht sein könnte. Obwohl ich teilweise Schwierigkeiten mit seinen futuristischen Ideen hatte, bin ich davon überzeugt, dass »Nur 6 Tage« in den richtigen Händen ein spannungsreicher Zeitvertreib sein kann. Daher empfehle ich das Buch vor allem technikbegeisterten Jungs ab zwölf Jahren und wünsche viel Spaß beim Lesen dieser apokalyptischen Geschichte.








Ich hatte mit dem Sprachstil auch so meine Probleme…
“in den richtigen Händen” finde ich sehr gut. Tolle Rezension, auch wenn dich das Buch scheinbar genauso “begeistert” hat wie mich.
Glg
Steffi